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Institutionals Floating Offshore: Windenergie der Zukunft

14.08.2023 5 Minuten Lesezeit

Floating Offshore: Die Zukunft der Windenergie

Windenergie, die einst als Nischenlösung für erneuerbare Energien galt, hat sich im Laufe der Jahre als fester Bestandteil unserer globalen Nachhaltigkeitsstrategie etabliert. Somit ist die Stromerzeugung durch Windkraftanlagen auf unserem Weg hin zu einer nachhaltigeren Energieversorgung kaum noch wegzudenken. 

Doch während Windparks das Landschaftsbild vieler Länder prägen, steht eine neue Ära der Windenergieerzeugung am Horizont, die die Art und Weise unserer Energiegewinnung aus Wind radikal verändern kann. Dieser Wandel liegt nicht an unseren Küsten oder auf unseren Hügeln, sondern in den Weiten unserer Ozeane: Floating Offshore ist nicht nur eine innovative Idee, sondern könnte der Schlüssel sein, um das unausgeschöpfte Potenzial der Offshore-Windenergie vollständig zu nutzen. Es geht darum, Grenzen zu verschieben und weiter aufs Meer hinauszugehen, um von stärkeren, beständigeren Windströmen zu profitieren. 

Das ungenutzte Potenzial der Meere

Wenn wir über erneuerbare Energiequellen sprechen, denken die meisten Menschen zunächst an Sonnenkollektoren und Windparks an Land. Doch die Ozeane, die über 70% unseres Planeten bedecken, bergen ein bislang ungekanntes Potenzial für die nachhaltige Energiegewinnung. 

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihren Studien hervorgehoben, dass das Erzeugungspotenzial von Offshore-Windstrom allein in der Europäischen Union das Zwölffache des derzeitigen Strombedarfs betragen könnte. Das sind nicht nur beeindruckende Zahlen, sondern auch ein Weckruf für Energieexpert:innen, Politiker:innen und Investor:innen gleichermaßen.

Floating Offshore: Die Antwort auf traditionelle Offshore-Methoden

Bisherige Offshore-Windprojekte haben sich hauptsächlich auf flache Küstengewässer konzentriert. Dabei wurde ein riesiges Energiepotenzial, das in tieferen Gewässern und weiter entfernt von den Küstenlinien liegt, weitgehend übersehen. 

Es sind jedoch nicht nur die schieren Mengen an Energie, die in den tieferen Gewässern unserer Ozeane schlummern: Die Offshore-Windbedingungen in diesen Bereichen sind oft konstanter und weniger variabel als in Küstennähe. Dies führt zu einer zuverlässigeren und effizienteren Energieerzeugung, die die Grundlage für eine stabile Stromversorgung bilden kann. 

In Kombination mit der Tatsache, dass Meereswinde weniger Hindernissen wie Gebäuden oder Bäumen ausgesetzt sind, wird das ungenutzte Potenzial der Meere zu einer vielversprechenden Chance, die erforscht und genutzt werden sollte. 

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So funktioniert Floating Offshore

Floating Offshore ist eine Technologie, bei der Windturbinen nicht auf festen Fundamenten im Meeresboden verankert werden, sondern auf schwimmenden Plattformen montiert sind. Diese schwimmenden Strukturen sind dann mit speziellen Verankerungssystemen am Meeresgrund befestigt. Dies ermöglicht die Installation von Windenergieanlagen in viel tieferen Gewässern als bisher möglich. 

Diese Plattformen sind das Herzstück von Floating Offshore und sind so konzipiert, dass sie stabil in tiefen Gewässern schwimmen. Um sicherzustellen, dass die schwimmenden Turbinen stabil bleiben und nicht von Strömungen, Wellen oder starken Winden weggetragen werden, sind sie mit robusten Befestigungssystemen aus Ketten, Drahtseilen oder synthetischen Seilen im Meeresboden verankert. 

Die erzeugte Energie wird durch Unterseekabel, die von den Turbinen zum Festland verlaufen, in das Stromnetz eingespeist. Diese Kabel sind für den Betrieb unter extremen Meerwasserbedingungen ausgelegt. 

Vorteile von Floating Offshore

Die fortschreitende Entwicklung von Floating Offshore-Technologien bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich, die sie gegenüber traditionellen festen Offshore-Windturbinen hervorheben: 

  1. Größeres Windpotenzial auf hoher See: 

    Tiefere Gewässer und weiter von der Küste entfernte Standorte bieten oft stärkere und konstantere Windgeschwindigkeiten. Dies erhöht nicht nur die Energieeffizienz der Turbinen, sondern auch ihre Betriebsstunden. 
  2. Größere Standortauswahl: 

    Da keine festen Fundamente benötigt werden, können Windparks in Gebieten mit großen Wassertiefen und unregelmäßigen Meeresböden installiert werden. Dies erweitert die potenziellen Standorte für Windparks erheblich. 
  3. Geringe Dichte der Anlagen: 

    Dank der Flexibilität von Floating Offshore können die Windenergieanlagen optimal positioniert werden, um die Windressourcen zu maximieren, wodurch weniger Turbinen für die gleiche Energieausbeute benötigt werden.
  4. Positiver Impact auf die Umwelt: 

    Durch die Installation von Windturbinen, die weiter von der Küste entfernt liegen, werden potenzielle negative Auswirkungen auf Vögel und Meeresfauna verringert. Dies kann positiv zum Erhalt der Artenvielfalt in Küstengebieten beitragen. 
  5. Weniger Sicht- und Lärmbeeinträchtigungen: 

    Da die Anlagen weiter draußen im Meer platziert sind, können Sicht- und Lärmbeeinträchtigungen, die insbesondere für Anwohner:innen eine große Rolle spielen, merklich reduziert werden.
  6. Größere Anlagen möglich: 

    Ohne die Beschränkungen eines festen Fundaments können Windturbinen größer und leistungsfähiger gebaut werden, was zu einer effizienteren Energieproduktion führt.
  7. Offshore-Potenzial auch im Bereich von Steilküsten: 

    Regionen, die aufgrund steiler Unterwassergebiete bisher als ungeeignet für traditionelle Offshore-Anlagen galten, können nun dank Floating Offshore-Technologie für die nachhaltige Energiegewinnung erschlossen werden. 

Insgesamt bieten die Vorteile von Floating Offshore die Möglichkeit, Windenergie in einer bisher ungekannten Dimension zu nutzen. Die Technologie verspricht nicht nur höhere Energieerträge, sondern auch einen nachhaltigeren und harmonischeren Ansatz in Bezug auf die Umwelt und die Gesellschaft. 

Zwar gibt es auch Nachteile, die mit Floating Offshore einhergehen, vor allem der höhere Wartungsaufwand und höhere Investitionskosten. Doch zumindest letztere werden in Zukunft durch Skaleneffekte im Zuge der größeren Verbreitung solcher schwimmenden Anlagen sinken. 

Wir beobachten die Entwicklung von ‚Floating Offshore‘ mit großem Interesse. Das Potenzial ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Investitionen halten wir uns allerdings zurück, da sich diese Technologie erst noch mehr bewähren und auch ihre Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen muss. Das kann sich in Zukunft natürlich ändern.
klimaVest: Product
  Head Renewable Energies Andreas Köhler
Andreas Köhler
Product Head Renewables Energies und Leiter des Tordesillas Transaction-Teams

Floating Offshore: Der Weg in eine nachhaltigere Zukunft

Das Konzept des Floating Offshore verspricht, die Zukunft der Windenergie neu zu gestalten und markiert den Beginn einer spannenden Ära in der erneuerbaren Energiebranche. Der Ozean birgt ein beeindruckendes und bislang weitgehend ungenutztes Energiepotenzial. Das Erkunden dieses Potenzials mit Floating-Offshore-Technologien könnte unsere bisherige Nutzung von Windenergie nachhaltig revolutionieren. 

Die Vorteile, die diese Technologie mit sich bringt, sind mehr als vielversprechend, von der Nutzung konstanterer und stärkerer Windströme bis hin zum größeren Schutz der Meeres- und Küstenumwelt. 

Schlussendlich liegt das Ziel von innovativen und nachhaltigen Technologien wie Floating Offshore auf der Hand: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Floating Offshore bietet dabei ein weiteres Mittel, um dieser Herausforderung zu begegnen und langfristig eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Zukunft zu gestalten, die auch noch für kommende Generationen lebenswert bleibt.